Michelins Sieg im Reifenkrieg bei den 24h 2018

Das 24 Stunden Rennen am Nürburgring ist weltweit der Event mit dem umfangreichsten Reifenkrieg. Während heutzutage fast alle grossen Serien und Events mit einem Einheitsreifenlieferanten auskommen müssen, der zudem eine eventuelle BoP deutlich vereinfacht, liefern sich am Ring die Reifenhersteller einen Wettbewerb bis aufs Messer.

In diesem Jahr waren 9 Reifenhersteller in den weltweit grössten Reifenkrieg des Jahres involviert: Michelin (59 Teams), Dunlop (44), Hankook (23), Yokohama (11), Pirelli (6), Falken (3) Giti (2) sowie Bridgestone und Hoosier mit je einem Fahrzeug schickten ihre Pneus verteilt auf 24 Klassen ins Rennen. Eigentlich war noch ein weiterer südkoreanischer Hersteller gemeldet. Da dessen Pneus jedoch nicht die Erwartungen des Einsatzteams erfüllten rüstete die vom entsprechenden Hersteller gesponsorte Mannschaft ihren Wagen noch flugs vor dem Start mit Michelin-Reifen aus.

Während in der Qualifikation am Freitag noch 3 Porsche mit Reifen von 3 verschiedenen Herstellern innerhalb einer Sekunde sich die vorderen 3 Startplätze teilten (Manthey/Michelin, Falken-Porsche und Frikadelli Racing/Dunlop) brachte der Regen am Sonntag einen klaren Sieger an der Reifenfront in Gestalt der Michelin-Teams hervor. Das wird unter anderem in der nebenstehenden Rundenzeiten-Grafik ersichtlich die die 3 in der Qualifikation bestplazierten Teams im Verlauf über das Rennen vergleicht. Doch wie dominant in diesem Jahr der Triumph von Michelin ausfiel, erschliesst sich einem erst, wenn der Blick in die Klassen geworfen wird, in denen auch wirklich ein Kampf der Hersteller untereinander tobte:

24 Klassen waren in diesem Jahr beim 24h-Marathon ausgeschrieben. In 11 Klassen herrschte eine Single-Supply-Situation – also eine Belieferung durch einen exklusiven Hersteller; etwa weil das Reglement es so vorgab (CUP-Klassen und durch die BoP festgelegte Ausrüster wie TCR/GT4) oder weil jeweils nur ein bis 2 Autos in der Klasse antraten.

In den restlichen 13 Klassen in denen ein offener Wettbewerb vorlag siegte 9 mal Michelin, 3 mal setzte sich Dunlop durch und ein Klassensieg ging an ein von Falken ausgestattetes Team. Aus den Single-Supply-Klassen gab es 4 weitere Siege für Michelin , 3 für Hankook, 2 weitere für Dunlop und je einen für Bridgestone und Giti zu vermelden. Yokohama, Pirelli und Hoosier verliessen den Ring ohne Erfolge.

Dunlop hatte im Vorfeld erklärt, die Titelverteidigung mit dem Land Motorsport-Sieg aus dem Vorjahr ins Auge zu fassen. Am Ende stand die ernüchternde Einsicht das man auf ganzer Front gegen den französischen Erzrivalen aus Clemond-Ferrand unterlegen war. In 9 der offenen Klassen – SP3, SP6, SP9, SP9LG, SP8, SP8T, V5, V6, V2T) setzte man sich gegen die zahlreiche Konkurrenz durch. Dabei war die Reifenschlacht in der Top-Klasse der SP9 mit 29 Autos und 5 beteiligen Herstellern (Michelin, Dunlop, Falken, Yokohama und Hankook) noch nicht mal die vielseitigste. In der V5-Klasse waren gar 7 Autos mit Reifen von 6 Herstellern (Mich. Dunl., Pirelli, Hankook, Yokohama und Hoosier) unterwegs, wobei sich hier am Ende einer der Pixum Team Adrenalin Motorsport-Caymans mit fast einer Runde Vorsprung vor einem der Pirelli-bereiften Team Schirmer-BMW´s durchsetzen konnte. Aber auch in den anderen Klassen hatte man die Konkurrenten im Griff. Die jeweiligen Sieger für die Franzosen waren der Manthey-Racing Porsche #912 als Gesamtsieger in der SP9. Der Aston Martin auf P5 in der SP9 LG, der AMG Speed Academy Mercedes AMG GT4 auf P21, der rent2drive Familla Porsche auf P22 in der SP8, der #190 Proom Racing Cayman in der SP6, der #138 Black Falcon Porsche 911 in der V6, der #165 rent2drive Renault Megane in der V2T und der #126 Renault Clio in der mit 14 Autos relativ stark besetzten SP3-Klasse. Der Schlüssel zum Triumph für die Franzosen war in diesem Jahr die gesteigerte Haltbarkeit der Slicks bei warmen Bedingungen, wo man noch im Vorjahr bei deutlich wärmeren Bedingungen der konkurrenz hoffnungslos unterlegen war, und die Dominanz der ab der Rennmitte benötigten Regenpneus, denen die Konkurrent nicht vergleichbares entgegen zu setzen hatte.

Dunlop blieb nur der Trostpreis in 3 Klassen – in denen Michelin übrigens pikanterweise nicht antrat: der SPX-Klasse mit dem auf P19 endklassierten Scuderia Cameron Glickenhaus SCG003, der AT-Klasse mit dem Doppelsieg der Care for Climate-Porsches und der V4-Klasse in der sich die beiden Dunlop-bereiften Sorg-BMW´s durchsetzten. In allen 3 Fällen hiess der einzige geschlagene Mitbewerber übrigens Yokohama. Statt dessen setzte es für Dunlop noch eine weitere Niederlage in der SP3T-Klasse. Hier gewann der auf Falken-Pneus antretende Werks-Subaru gegen 3 Dunlop-bereifte Konkurrenten, womit Falken den einzigen Klassensieg in diesem Jahr beim Marathon auf der Nordschleife erzielte.