Toyota nach Silverstone Doppelsieg disqualifiziert

Die Bombe platzte lange nach der Zielflagge bei den 6h von Silverstone Silverstone (der Link führt zum Rennbericht auf unseren Seiten) um 22.30 Uhr Ortszeit, also eine halbe Stunde vor Mitternacht in Europa, als alle Le Mans Fans schon zu Bett gegangen waren – beide Toyota die in gewohnt dominanter Manier mit 4 Runden Vorsprung einen Doppelsieg beim FIA Langstrecken Weltmeisterschaftslauf in Silverstone eingefahren hatten wurden am Abend disqualifiziert. Damit gelang der Rebellion-Truppe, die in der Mehrzahl zu diesem Zeitpunkt auch schon auf dem Heimweg war der erste Doppelsieg in der WEC-Geschichte.

Was war geschehen? Nun – zuerst war das Rennen wie von den meisten Zuschauern erwartet zu Ende gegangen. Die beiden Werkshybrid-Autos fuhren wie gehabt Kreise um die Konkurrenz und drückten dieser mit einem scheinbar makellosen Rennen innerhalb von 6 Stunden minimal 4 Runden Rückstand auf. Die TS050 waren im Schnitt 2 1/2s schneller wie die schnellsten Konkurrenten aus dem privaten LMP1-Lager. Denen dürfte zwar laut der EoT nur eine halbe Sekunde pro Runde fehlen, jedoch ist dies nur eine theroretische Kennzahl, da die Privaten lediglich die selben Reifenkonstruktionen wie die Japaner fahren müssen. Da diese auf die speziellen Erfordernisse der Hybridtechnik optimiert wurden, funktionieren diese nicht auf heckgetriebenen LMP´s, was per se schon einmal 2s Rückstand bedeutet.

Zudem dezimierten sich die LMP im Renenn selber. Gleich in der ersten Kurve ruschten die schnellsten Wagen von SMP Racing und Rebellion Racing ineinander. Der andere SMP-BR1 mit der #11 auf dem auch Lokalmatador Jenson Button antreten sollte, verrauchte nach nur 23 Runden mit einem Turbo-Schaden. Weitere technische Probleme sorgten dafür das der #3 Rebellion R13 von Neel Jani und André Lotterer am Ende hinter die Teamkollegen Mathias Beche, Thomas Laurent und Gustavo Menezes zurück fiel. Vorne beschädigte sich der lange mit der #7 führende Mike Convay den Unterboden seines Toyota beim Überunden eines Ferraris, so das in der letzten Rennstunde die bisherigen Seriensieger Fernando Alonso, Sebastian Buemi und Kazuki Nakajima das bessere Ende vor den Teamkollegen Convay/Kobayashi/Lopez hatten.

Doch dann wurde bei der technischen Nachkontrolle festgestellt, das beim Flexibilitätstest der Bodenplatte sich diese um 9mm im Unterboden eindrücken liess - erlaubt waren lediglich 5mm - damit hatten die Japaner die Toleranz des Tests um 80% überschritten.

Hinter diesem Test steht eine nachträglich vom ACO reglementierte Spitzfindigkeit die sich einst Audi als erste hatte einfallen lassen: Die Bodenplanken der LMP1-Hybriden wurden seinerzeit -mit einer Feder versehen, womit sich diese bei bestimmten Extremkurven (z.B. Eau Rouge in Spa) in den Unterboden absenken konnten um nicht gleich den ganzen Wagen unlenkbar auf dem Asphalt aufliegen zu lassen. Dadurch gewann man wertvolle Millimeter wenn mans nicht übertrieb (Audi wurde z.B einmal in Spa wegen einer zu abgeschliffenen Bodenplatte disqualifiziert). Der ACO hat das Verfahren anerkannt, dabei aber eine Grenze gesetzt um zu verhindern das die vorgeschriebene Dicke der Bodenplatte durch das System unterlaufen wird und die Teams dabei zusätzliche Millimeter mit wertvollen Abtriebskräften gewinnen.

Toyota gab auf Nachfrage hin zu das System schon seit Jahren so zu verwenden, wobei nie bei der Nachkontrolle ein so grosser Federweg festgestellt wurde. Der japanische Hersteller legte daher noch am Abend einen Protest gegen den Wertungsausschluss ein, auch wenn die Erfolgsaussichten angesichts der Überschritung der Norm um gleich 80% eher gering sind. Nachtrag: Wie man mittlerweile in einem Team-Statement bekannt gab glaubt das japanische Werksteam nun das die über den Winter geänderten höheren Curbs in Silverstone indirekt an der Disqualifikation Schuld tragen. An diesen Curbs hättte man sich die Bodenplatte bzw. die Feder zerstört die die Planke in ihre Ausgangsposition zurückfedert. Zuletzt war das System in Spa kontrolliert und dort für reglementskonform befunden worden. In einem zweiten speraten Statement entschuldigte sich Toyota-Chef Akio Toyoda mittlerweile bei seinen 6 Piloten das man ihnen für das Rennen kein Auto zur Verfügung gestellt hätte mit denen sie den Sieg erringen konnten.

Im Endeffekt gewann so Rebellion die 6h von Silverstone nachträglich mit einem Doppelsieg: Mathias Beche, Thomas Laurent und Gustavo Menezes - die zu Rennbeginn nach einem Gerangel mit dem SMP-Racing BR1 noch einen Dreher als Schrecksekund verkraften mussten (Bild)  wurden als Sieger vor Neel Jani und André Lotterer verzeichnet. SMP Racing rutschte dadurch nachträglich mit der von Stephane Sarrazin und Egor Orudzhev pilotierten #17 auf das Podium. Es wäre bei einer Ablehnung des Protestes der erste Doppelsieg für die britisch-schweizer LMP1-Mannschaft.

In der LMP2 gelang der britisch-chinesischen Jackie Chan DC-Racing Mannschaft ebenfalls ein Doppelsieg. Der GTE-Pro-Erfolg ging an Ferrari während sich die deutsche Dempsey-Proton Racing Mannschaft zum 2.Male nach dem Klassensieg in Le Mans erneut in der GTE-AM-Klasse durchsetzen konnte.

Der detaillierte, vollständige Rennbericht kann unter diesem Link auf unseren Seiten eingesehen werden.