WEC Prolog Monza - Toyota und Porsche im Vergleich
Anlässlich des WEC-Prologs in Monza , der den ELMS-Testtagen an selber Stelle folgte, haben Porsche und Toyota ihre überarbeiteten LMP1-Hybrid-Boliden für die Saison 2017 vorgestellt. Abgesehen davon das das Farbdesign beider Autos aus Zufall sich soweit angenähert hat das selbst die Fotographen an der Strecke Schwierigkeiten haben die Autos voneinander zu unterscheiden, sollen auch Updates bei beiden Modellen einen wiederum engen Kampf um die Siege in der FIA Langstrecken Weltmeisterschaft und in Le Mans erlauben.
Toyotas LMP1, der nach wie vor auf die Bezeichnung TS050 hört, wird von einem gründlich überarbeiteten 2,4l V6-Motor mit einem 8 MJ-Hybrid-System befeuert, der mit gesteigerter thremischer Effizienz und einer überarbeiteten Brennkammer, neuem Zylinder-Block und -Kopf daher kommt. Verkleinerte, leichtere Motor-Generator-Units (MGU) füttern eine ebenfalls überarbeitete Lithium Ionen Batterie mit der Hybrid-Power, wobei speziell die Erkenntnisse dieser Weiterentwicklung direkt in die Serie einfliessen.
Aufgrund der Tatsache das der ACO über eine Beschneidung der Aerodynamik die Rundenzeiten an der Sarthe wieder erhöhen möchte, wurden der Frontsplitter um 15mm angehoben und der Heckdiffusor ebenfalls regulativ verkleinert. Daneben sind nur noch 2 statt 3 verschiedenen Aero-Konfigurationen erlaubt. Das führte zu einer kompletten Überarbeitung der Aerodynamik, die in Zugammenarbeit zwischen TMG in Köln und Toyota in Higashi-Fuji realisiert wurde. Resultat sind eine erhöhte Fahrzeugnase und geänderte Seitenkästen am neuen Toyota, der bereits 30000-Testkilometer bei diversen Ausfahrten in Paul Ricard, Aragon und Portimao, incl. 4 30h-Tets absolviert hat.
Porsche hat seinerseits auch den Porsche 919 Hybrid gründlich überarbeitet. Vor allem in den Bereichen Aerodynamik, Fahrwerk und Verbrennungsmotor kommen Neuerungen zum Einsatz. Teamchef und komissarischer Technischer Direktor Andreas Seidl: „Insgesamt lässt sich der Anteil der Neuentwicklungen für 2017 auf 60 bis 70% des Gesamtfahrzeugs beziffern. Das Monocoque blieb gegenüber 2016 identisch, alle anderen Bauteile wurden auf ihr Optimierungspotenzial überprüft und mehrheitlich verändert.“
Besonderes Augenmerk legten die Ingenieure darauf, den Vorderwagen aerodynamisch unempfindlicher zu gestalten. „2016 saugte die Frontpartie zu leicht Gummiabrieb von der Strecke auf. Dieser setzte sich fest und störte die Fahrzeugbalance. Das Phänomen wurde analysiert. In der Folge konnten wir die entsprechenden Karosserie-Teile optimieren.„Durch die reglementbedingten aerodynamischen Einbußen rechnen wir in Le Mans mit einem Anstieg der Rundenzeiten von 3-4s“, kalkuliert Seidl. „Inwieweit sich das durch die verschiedenen Weiterentwicklungsmaßnahmen kompensieren lassen wird, ist noch nicht abzusehen.“ Beim Vorher-Nachher-Vergleich mit dem Vorjahres-919 fallen in der Frontansicht die höheren, breiteren und längeren Radhäuser ins Auge. Seitlich sind sowohl die angepassten hinteren Lufteinlässe für die Kühler als auch der neue Durchlass vom Monocoque zum Radhaus auszumachen.
Die Optimierungen am Antriebsstrang betreffen die Getriebe an Vorder- und Hinterachse, den Verbrennungsmotor, die E-Maschine und die Rückgewinnungssysteme. Die Hinterachse des 919 wird weiter von einem 2l-V4 mit 500 PS angetrieben. 2 unterschiedliche Energierückgewinnungssysteme – Bremsenergie von der Vorderachse und Abgasenergie – speisen über eine Lithium-Ionen-Batterie den Elektromotor, der auf Abruf die Vorderachse mit zusätzlich über 400 PS antreibt. Etwa 60% der zurückgewonnenen Energie trägt das KERS (Kynetic Energy Recovery System) der Vorderachsbremsen bei. 40% liefert die Abgasenergierückgewinnung die durch eine Turbine mit bis zu 120.000Umin realisiert wird.
Software-Neuerungen tragen daneben zur verbesserten Fahrbarkeit des 919 bei. Diese betreffen insbesondere die Traktionskontrolle und das Hybridmanagement. Beides hat großen Einfluss auf die Haltbarkeit der Reifen. Diesem Punkt kommt 2017 eine noch größere Bedeutung zu da pro Rennwochenende drei Reifensätze weniger pro Auto zur Verfügung stehen wie noch 2016. Deshalb müssen die Reifensätze im Rennen häufiger Doppelstints aushalten
Sowohl Toyota als auch Porsche haben sich in einem Gentlemans-Agreement darauf geeinigt aus Kostengründen den Gebrauch der bisherigen Monocoques für 3 Jahre bis 2019 festzuschreiben. Erste Rundenzeiten sind an diesem Wochenende in den Testsessions des Prologs zu erwarten. Danach müssen Porsche und Toyota eigentlich nur noch in einer gemeinsamen Session miteinander ausknobeln mit welchen zusätzlichen Farben man die Autos jeweils besser von denen des Gegners unterscheidbar macht.