Warum die BoP in Hockenheim geändert wurde

Es war eine der umstrittensten Fragen beim GT-Masters-Finale in Hockenheim : warum änderte der ADAC ausgerechnet beim Finale in einer recht umfangreichen Weise die Balance of Performance? Da alle Meisterkandidaten davon betroffen waren – einige erhielten Vorteile, einige Nachteile verordnet – drängte sich zuerst der Verdacht auf, hier sollte mehr oder weniger in die Titelentscheidung eingegriffen werden.

Der Grund war jedoch viel banaler: der ADAC und der für die Masters-BoP zuständige DMSB definierten sich aufgrund der Reifensituation in einer Sachzwangschere, die man noch vor dem Finale auszuwetzen gedachte. Leider zeigte man nicht das notwendige Fingerspitzengefühl, diese Anpassung vielleicht für das letzte Meeting auszusitzen, weswegen der ADAC und auch die (verdienten!) Mercedes-Champions Maxi Götz und Sebastian Asch sich nun den Vorwürfen ausgesetzt sehen die BoP hätte ihnen zumindest einen kleinen Vorteil verschafft.

Der Hintergrund ist bei den Reifen zu suchen. Das die Pneus von Reifenpartner Yokohama einen im Vergleich zu den Vorjahres-Michelins bescheidenen Grip haben war wohl spätestens nach dem Saisonauftakt in Oschersleben jedem Teilnehmer klar. Leider wurden die aktuellen Reifen auch erst in der Woche vor dem Saisonauftakt verfügbar – was zumindest einigen Teams, die die griffigeren Vorjahres-Yokohamas in den Wochen zuvor ausgiebiger getestet hatten, zusätzlich zum Verhängnis wurde. Ein zweiter, schwerwiegenderer Fakt wurde dadurch erst in den Folgerennen offensichtlich. Neben dem Gripdefizit hatten bestimmte GT3-Fabrikate auch vermehrt Reifenschäden an der Hinterachse zu vermelden, so zum Beispiel Alpina , die dadurch in der Anfangsphase mehrere Nuller schrieben.

Nachdem dies offensichtlich wurde bat Alpina um eine Lösung: Man wollte die stabileren Porsche-Hinterreifen von Yokohama verwenden, die aufgrund der besonderen Belastungen der Heckmotorkonstruktion des 911´ers mit einer zusätzlichen Gürtellage in der Seitenwand ausgestattet waren. Erste Tests die Alpina und auch andere Hersteller mit den reifen fuhren zeigten das dort zumindest die Haltbarkeit besser wurde – bei allerdings nach wie vor nicht verbessertem Griplevel. Die nebenbei bestehenden Probleme für Mittelmotorwagen – die schon mit der alten Reifenkonstruktion keine Temperatur in die Vorderreifen bekamen wurden hingegen nicht verbessert sondern eher noch ein wenig offensichtlicher. Zusätzlich wurden schon bei den Tests Daten erfasst die dann später für eine evtl. Anpassung der BoP auf die neue Konstruktion verwendet werden sollten.

Die Lösung den Alpina und - aus Gründen der Chancengleichheit - auch alle weiteren Fabrikate nun auf die haltbareren Porsche-Hinterreifen zu setzen, scheiterte allerdings an der ausreichenden Verfügbarkeit der Porsche-Hinterreifenkonstruktion; mit dem Ergebnis das für die Rennen am Eurospeedway alle Teams wieder den alten Stand fuhren und Alpina erneut Reifenschäden zu beklagen hatte. Erst am Nürburgring - beim vorletzten Wochenende - konnten alle Teams kurzfristig auf die neue Konstruktion gesetzt werden. Dort war der Vorlauf allerdings zu kurz das der DMSB die aus den Testergebnissen mit der neuen Konstruktion gewonnen Änderungen der BoP noch ins Reglement einpflegen konnte. Am Nürburgring fuhren die Autos also noch mit der für die alten Reifen gültigen BoP. Diese Scharte wollte man fürs Finale reglementsseitig noch auswetzen – und trat damit voll in das Fettnäpfchen das all diejenigen aufgestellt sehen die in der Balance of Performance eine verkappte Rennbeeinflussung vermuten.

Man mag von der BoP halten was man will – Tatsache ist das die GT3 ohne sie nicht funktioniert, da es für die GT3 schlichtweg kein definiertes technisches Regelement gibt. Ein Hersteller kann ein beliebiges Konzept bringen: durch die BoP wird es schon irgendwie passend gemacht. Dies ist auch einer der Gründe warum der ACO und die in Le Mans engagierten Hersteller die GT3 allenfalls als Feldfüller für die Satellitenserien akzeptieren – und amsonsten das klar definierte eigene GTE-Reglement bevorzugen. Was dem ADAC und dem DMSB zusätzlich auf die Füsse fällt, ist das die Gründe für die BoP-Änderungen für Teams und Interessierte zu wenig transparent sind. Hier sieht man auch von Seiten der Veranstalter Besserungsbedarf für die kommende Saison, um nicht durch unnötige Diskussionen Image und Teilnehmer für die zukünftigen Saisons zu verlieren.

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