Budgets in den Privatiersklassen der WEC

Wie hoch sind die Budgets die im Rahmen einer WEC-Saison abgerufen werden? Gespräche mit einzelnen Piloten und Teamchefs im Rahmen des Saisonauftakts der FIA Langstrecken Weltmeisterschaft in Silverstone (der Link führt zum Rennbericht auf unseren Seiten) brachten übereinstimmende Aspekte zu Tage.

Porsche-Pilot Michael Wainwright nannte uns einige  Summen: „Ich weiss von AF Corse das dort ein Auto in der GTE-Am mit einem Jahres-Budget von 3 Millionen angeboten wird. Dieses können sich dann entweder 2 Privatiers teilen oder ein Privatier bezahlt die gesamte Summe und bekommt dafür auch bis zu 2 schnelle werksunterstützte Piloten zur Verfügung gestellt. Das Kundensport-Modell von AF Corse ist dabei ein Business-Case der auch Gewinn für das Team abwerfen soll. Auf der anderen Seite gibt es dann Teams wie unseres, die nicht diese hohen Summen ausgeben, wo aber alles auf Rechnung eines oder 2 Privatiers läuft die einfach daran interessiert sind die Meisterschaft zu bestreiten. Fest steht das es eine ausgeprägte Budget-Spanne unter den Teams gibt, wobei eine WEC-Saison etwa 65% teurer als eine ELMS-Saison ist.“

Wie hoch die Spanne ist darauf gab uns Christian Ried von Proton Competition weitere Hinweise. „Die Summen, um hier in einer der beiden Privatiersklassen GTE-Am und LMP3 mitzufahren betragen zwischen 2,5 und 3,5 Mio € pro Auto und Saison. Dabei hängt es natürlich von auch der Motivation der Mannschaft ab – etwa zusätzliche Testtage – wieviel Budget du veranschlagen musst. Für 2,5 Mio als Untergrenze, wo du schon deine Leute im Transporter oder im Zelt schlafen lassen müsstest, wirst du sicher nicht um Klassensiege oder Podiumsplätze mitfahren können. Die Sportgeräte sind nach der Einführung der neuen LMP2 nun etwa gleich teurer, wobei es auf dem Papier immer noch einen kleinen Vorteil für die LMP2 gibt. Deren Piloten rekrutieren sich allerdings nicht aus der Riege der solventen Privatiers, die dann doch lieber ein Markenfahrzeug mit Image wie einen Porsche oder Ferrari finanzieren um mit diesem an der Meisterschaft teilzunehmen. Was das eigentlich teure speziell an der FIA Langstrecken Weltmeisterschaft ist und die Preise hochtreibt ist der weltweite Transport des Materials per Container. Dieser sorgt zusammen mit den Nenngeldern für die Fixkosten. Ob das Auto dann 500.000€ oder eine Million kostet fällt dann nicht mehr so stark ins Gewicht. Zumal es auch Teams gibt die die 3,5 Mio noch weiter überschreiten.“

2 Kandidaten für die letztere Kategorie sind die LMP2-Teams von Signatech Alpine und der G-Drive-Entry, der in diesem Jahr von TDS Racing gestemmt wird. Während der Einsatz der Alpines von Renault als verdeckter Werkseinsatz unternommen wird, und damit in der eigentlich Privatteams vorbehaltenen LMP2 alles andere als unumstritten ist, könnte sich für G-Drive im kommenden Jahr mit den neuen LMP1 von Ginetta und SMP Racing die Option des Klassenaufstiegs ergeben, womit man dann in der Top-Kategorie mitfahren würde. Doch eine solche Option würde erst mal voraussetzen das die neuen Autos sowohl schneller, als auch gleich zuverlässig wie die LMP2 sind. Was ab nächster Saison von den ersten Einsatzteams zu beweisen wäre...