Geschichten aus dem Rotlichtviertel

Am vergangenen Wochenende fand auf dem Nürbrugring in der Eifel (der Link führt direkt zum Rennbericht) das vierte Rennwochenende der diesjährigen ADAC GT Masters Saison statt.

Diesmal traten 35 GT3-Fahrzeuge von acht verschiedenen Herstellern zu den Läufen 7 und 8 der aktuellen Saison an. Das bedeutet, dass das Samstagrennen die Halbzeit der Saison 2018 markierte.

Um es gleich vorwegzunehmen, großer Verlierer des Wochenendes war das Team von Callaway Competition. Daniel Keilwitz und Marvin Kirchhöfer reisten nach dem Doppelerfolg beim letzten Event in Spielberg, mit einem Vorsprung von 24 Punkten auf die Precote Herberth Motorsport Piloten Robert Renauer und Mathieu Jaminet (86 zu 62 Punkte) in der Fahrer- und 12 Punkten auf MANN-FILTER Team HTP (86 zu 74 Punkte) in der Teamwertung zum Nürburgring.
Nach einem unglücklichen Doppel-Nuller lag man am Sonntagabend immer noch mit einem einzigen Punkt in der Fahrertabelle vor Markus Pommer und Maxi Götz im gelben Mercedes-AMG #47 von MANN-FILTER Team HTP (86 zu 85 Punkte). Aber die Führung in der Team-Wertung musste Callaway Competition aufgrund der Mega-Teamleistung der Fahrer in den gelben Reptilien aus Altendiez, an das MANN-FILTER Team HTP abgeben (86 zu 117 Punkte).

Das Hauptthema des Wochenendes war allerdings ein ganz anderes.
Die weit überwiegende Mehrzahl der Teilnehmer, Piloten wie Teamchefs, war mit dem seit geraumer Zeit praktizierten Startprozedere im ADAC GT Masters, ganz besonders am Samstag, überhaupt nicht happy.

Schon im letzten Jahr haben wir in unserer Berichterstattung auf GT-Eins mehrmals auf das Problem hingewiesen. Wenn man das Reglement 2018 des ADAC GT Masters zur Hand nimmt, findet man unter Art. 38.4 die genauen Ausführungsbestimmungen für die Durchführung eines rollenden Starts.
Dies zugrundegelegt, ist de facto fast jeder Start eines GT Masters Laufs irregulär. Der Start des Samstagsrennens hätte definitiv nicht freigegeben werden dürfen, sondern hätte abgebrochen werden müssen!

Aber wo liegt das Problem nun konkret? Die Freigabe des Rennens, landläufig als Start bezeichnet, wird mittels Umschalten einer roten Ampel auf Grün bewerkstelligt. Dieses Umschalten wurde besonders am Samstag, zum wiederholten Male, bis aufs Äußerste verzögert.
Das führt logischerweise dazu, dass jeder Fahrer nach seinem persönlichen Gusto beschleunigt und die ursprünglichen Positionen in der Startaufstellung quasi zwangsweise verlassen werden, um Kollisionen zu vermeiden. Das ist regelwidrig!

Nicht unerheblich ist auch die Gefahr, die daraus entsteht, dass der Start letztlich mit einer viel zu hohen Geschwindigkeit erfolgt.

Entweder muss der Starter sich entschließen, die Ampel früher auf Grün zu schalten und die Dinge sich entwickeln lassen, oder er muss den Teilnehmern noch einmal eindringlich das Regelwerk vermitteln und die strikte Einhaltung von Startkorridor und Geschwindigkeit abfordern. Letzteres wäre, nicht zuletzt aufgrund des geltenden Reglements, klar zu bevorzugen.
Allerdings ist er dann aber auch gehalten, die Ampel innerhalb eines angemessenen Zeitraums umzuschalten. Und erst dann und nur dann darf beschleunigt und der Startkorridor verlassen werden! Wer dagegen verstößt, wird konsequent bestraft.
Alles andere wäre Anarchie und wird früher oder später zu ungewollten Ereignissen, wie beispielsweise einem Mega-Startcrash mit 20 Autos oder mehr führen. Dann wird man froh sein können, wenn sich niemand ernsthaft weh tut. Oder im günstigeren Fall wird es, wie am Samstag, zu fragwürdigen Bestrafungen kommen, die dann später zu allem Überfluss noch einmal korrigiert werden müssen.

Merke: Kein Zuschauer will nach Hause fahren und nicht wissen, wie das Rennen, das er gerade gesehen hat, denn nun wirklich ausgegangen ist. Die vielen, meist negativen Kommentare und Reaktionen in den Social Media, belegen das recht deutlich.
Es ist allerhöchste Zeit nachzudenken und zu handeln!

Was unter einem angemessenen Zeitraum zu verstehen ist, erklärt sich am besten im Vergleich mit einem sogenannten stehenden Start. Hier wird, nachdem der letzte Teilnehmer seine Startbox besetzt hat, mit einer grünen Flagge am Ende des Feldes dem Starter signalisiert, dass er den Start initiieren kann. Das bedeutet, der weitere Ablauf ist praktisch automatisiert. Die fünf roten Leuchten der Startampel leuchten der Reihe nach auf. Nachdem die fünfte Lampe leuchtet, erlöschen alle fünf, zwar durch einen Zufallsgenerator gesteuert, aber dennoch innerhalb eines definierten Zeitrahmens. Jeder Fahrer weiß also, wann in etwa er mit der Startfreigabe rechnen kann. Von diesem definierten Zeitrahmen sind wir im GT Masters weit entfernt.

Noch ein letzter, versöhnlicher Gedanke. Im Samstagrennen gab es ganze 14 Ausfälle, d.h. nur 21 Fahrzeuge sahen die Zielflagge. Nun könnte man sagen, dass sich so manche andere Rennserie in echten Schwierigkeiten befände. Man könnte gerade eben mal das Podium bestücken. Oder anders gesagt, 21 Fahrzeuge im Ziel sind immer noch mehr, als bei anderen Serien am Start stehen! Think about that!

Weiter geht es in der wohl besten deutschen Rennserie zum Glück bereits in gut einer Woche, vom 17. bis 19. August 2018, in den Dünen von Zandvoort, nahe Amsterdam.