MRS präzisiert die Umstände des Lausitzring-Rückzugs
Das MRS GT-Racing Team stand aufgrund der Rennabsage bei der ADAC GT-Masters-Runde am Eurospeedway Lausitzring (der Link führt zum ausführlichen Rennbericht auf unseren Seiten) am Samstag im Focus des Interesses. Allerdings verhielt es sich mit den Umständen des Rückzugs des nach dem Motorbrandes der #23 verbleibenden Nissan GT-R Nismo GT3 von Dominic Jöst und Florian Scholze etwas komplizierter als zunächst dargestellt. Entgegen den ersten Berichten lag der Grund weder in technischen Problemen, noch an einer Benachteiligung durch die BoP wie das Team mittlerweile erläuterte.
Ein Bestandteil der Balance of Performance (BoP) ist unter anderem die Regelung des Turbolader-Druckes in Abhängigkeit der Drehzahl. Diese Limits wurden vom Team nach eigener Aussage im 1. und 2. freien Training nachweislich eingehalten. Bei der Ladedruckregelung kommt es zwangsläufig zu sogenannten Druckspitzen bei verschiedensten Betriebszuständen des Motors. Für diese Druckspitzen gibt es eindeutige Regelungen in ihrer erlaubten Anzahl und Höhe über einen gewissen Zeitraum, jedoch bislang keine zuverlässige Messmethode. Daher werden mit Zuhilfenahme einer mathematischen Formel diese Druckspitzen errechnet. Diese Berechnungen nimmt der Deutsche Motorsport Bund (DMSB) selbst bei der Veranstaltung ADAC GT-Masters vor, dem Team liegen jedoch diese Berechnungsgrundlagen respektive die genutzte Formel nicht vor.
Nach dem zweiten Training gegen 15:00Uhr bekam das Team demnach die Nachricht dass sowohl Ladedruckeinstellung als auch die erzeugten Druckspitzen beider, von MRS eingesetzten Fahrzeugen im Rahmen der Limits liegen. Um 16:00Uhr, rund 20 Minuten vor Beginn des Qualifyings, kam erneut der technische Delegierte des Deutsche Motorsport Bund (DMSB) auf das Team zu und überreichte eine neue Berechnung der Druckspitzen für das Fahrzeug mit der Nummer 22, nach der sowohl die zulässige Anzahl der Druckspitzen als auch deren Wert um ca. dem fünffachen der zulässigen Toleranz lagen. Diese Überschreitung der Toleranz sollte nur für das Fahrzeug mit der Nummer 22 gelten, obwohl beide MRS GT-Racing Nissan mit exakt dem gleichen Turbo Mapping ausgestattet waren.
Um sportrechtliche Konsequenzen nach dem Qualifying zu vermeiden, empfahl der DMSB den Ladedruck um 140 mbar zurückzunehmen, was in etwa einer Leistungseinbuße von rund 40 PS entsprochen hätte. Für die deutsche Nissan-Mannschaft standen somit 3 Alternativen zur Auswahl:
- Rücknahme des Ladedrucks, was die Rundenzeiten um bis zu 2s verlangsamt hätte
- Teilnahme am Qualifying mit dem Ladedruck wie im freien Training, was eine drohende Disqualifikation zur Folge haben könnte
- Rückzug des Fahrzeuges
Das MRS GT-Racing Team entschied sich daher nach Rücksprache mit den beiden Piloten für die dritte Variante, so lange bis ein, auch für das Team nachvollziehbares System zur Ermittlung der Druckspitzen vom DMSB vorgehalten wird. Die Mannschaft vermutet das dem Kommunique von 16 Uhr ein Rechen- bzw. Auswertungsfehler zugrunde lag der aber ohne eine nachvollziehbare Formel nicht in gebotener Zeit zu zu belegen war.
Für MRS GT-Racing , die an diesem Wochenende wieder einen 3-fach Einsatz beim Porsche Mobil1 Supercup in Silverstone und bei der Blancpain Sprintserie in Moskau stemmten, war der Ausflug in die Lausitz alles andere als befriedigend: Das Fahrzeug mit der Nummer 23, von Marc Gassner und Florian Strauss erlitt im zweiten freien Training einen Motorschaden aus bisher noch ungeklärter Ursache, woraufhin das Fahrzeug in Brand geriet und dabei schwerst beschädigt wurde. Eine Reparatur vor Ort war nicht mehr möglich. Die Zuverlässigkeit der GT-R erweist sich zunehmend als "Achillesferse" des britischen GT3.