Lotus mit ambitionierten Motorsportplänen für die Zukunft
Lotus hat im Vorfeld der Pariser Motorshow eine intensive Ausweitung der Rennprogramme angekündigt. Darunter sind einige Neuerungen in der Sportwagenszene, die - sofern sie realisiert werden - eine Richtungsänderung in der Motorsportpolitik der vom malaiischen Hersteller Proton geführten britischen Traditionsmarke bedeuten könnten.
Neben Formel-Engagements in der GP2, GP3 und bei den Indycars (die F1 wurde übrigens trotz eines weiterhin bestehenden Team Lotus nicht erwähnt) wurde in der aktuellen PR-Mitteilung auch ein LMP-Programm ins Spiel gebracht. Demnach soll der von Lotus verpflichtete Konstrukteur Paolo Catonean einem LMP2 nach den neuen ACO-Regeln arbeiten. Der Wagen soll Ende 2011 testbereit sein und 2012 am 24 Stunden Rennen von Le Mans teilnehmen. Konkrete Bilder vom Wagen, der ein geschlossenes Design aufweisen soll, gibt es bislang noch nicht - in der PR-Mitteilung (Bild oben) wurde ein Lola in Lotus-Lackierung als Appetithappen dargestellt.
Am weitesten fortgeschriten ist die Entwicklung des Lotus Evora GT4. Der von einem Cosworth-Toyota V6 befeuerte Wagen erlebte sein Renndebüt vor einem Monat beim FIA-GT4 Europacup Rennen auf dem Nürburgring. Mittlerweile hat Lotus 20 Bestellungen des Wagens entgegen genommen, wobei die ersten Autos im November ausgeliefert werden sollen. Entgegen ersten Aussagen der Lotus-Teammitglieder am Ring soll zusätzlich nun doch ein GT3 auf Basis des Evora entstehen. Und auch die Entwicklung einer GT2-Version des Autos soll angeblich auf der Agenda stehen.
Ob die allerdings wirklich kommt, wird schon durch die nächste Ankündigung in Frage gestellt, denn neben dem Evora soll bereits ein weiteres neues Lotus-Modell als GT2 in Arbeit sein. Spätestens hier stutzt der geneigte Beobachter, denn die parallele Entwicklung von zwei GT2-Modellen nehmen nicht mal Branchenriesen wie Porsche oder Ferrari in Angriff. Da zeitgleich die Einrichtung von Fahrerschulen und Testgeländen sowie eine Ausweitung der Lotus-Cupserien angekündigt wird, stellt sich unwillkürlich die Frage, auf Grundlage welchen Budgets bei Lotus geplant wird, da alleine schon der Betrieb der F1-Mannschaft Unsummen verschlingen mag.
Der Umfang der Ankündigungen lässt vermuten, das entweder nur ein Teil davon realisiert wird oder das die Realisierungen nur unvollständig oder verspätet erfolgen werden. Auch die Entwicklung des Evora GT4 ist, ungeachtet des erfolgreichen Auftritts am Ring mit einem Klassensieg beim ersten Rennen, mittlerweile gehörig hinter dem Plan. Von daher werden die vollmündigen Ankündigungen von Lotus-Motorsportdirektor Claudio Berro in den kommenden Monaten auf dem Prüfstand der aufmerksamen Beobachter stehen.