Le Mans Vorschau Teil 5 - Full House in der GT2
6 Porsche, 5 Ferrari, je zwei Corvette und BMW sowie je ein Aston Martin, Spyker und Jaguar bilden heuer das GT2-Feld an der Sarthe. Porsche tritt damit mit dem grössten Kontingent in dieser Klasse seit Jahren beim Klassiker an, während im letzten Jahr Ferrari noch die Oberhand hatte. Doch auch die beiden GT2-Debütanten Corvette und BMW rechnen sich Chancen zumindest auf das Podium aus, falls die Top-Teams der beiden grossen Marken ins Straucheln komen sollten.
Porsches Top-Autos aus Fahrersicht sind die Felbermayr-Proton #77 mit Lieb / Lietz / Henzler, die Imsa-Performance #76 mit Narac / Pilet / Long sowie vielleicht noch das BMS Scuderia Italia-Auto das Marco Holzer, Richard Westbrook und Le Mans-Debütant Timo Scheider auf einem Auto vereinigt. Die drei anderen Porsche von Prospeed Competition, Flying Lizard Motorsport und der zweite Felbermayr-Proton-997´er haben keine durchgehenden Profibesatzungen an Bord und müssen auf Ausfälle der Konkurrenz hoffen um nach vorn gespült zu werden.
Ferrari hat ein heisses und drei warme Eisen im Feuer. Titelverteidiger Risi Competitione setzt mit Melo / Bruni / Kaffer auf zwei der Erfolgspiloten aus dem Vorjahr. 2009-Sieger Mika Salo, der mit Melo & Kaffer zur letztjährigen Erfolgsbesatzung der Amerikaner gehörte ist der AF Corse Mannschaft zugeteilt worden. Während der Finne die beiden argentinischen Kundenpiloten bei deren zweiten Einsatz unterstützt, ist der zweite Ferrari der Italienischen Mannschaft mit dem VIP-Trio Alesi / Fisichella/ Vilander unterwegs. Für AF Corse spricht die Versiertheit der technischen Meister-Mannschaft aus der FIA-GT Meisterschaft. Dagegen spricht die Le Mans-Erfahrung einzelner Piloten, die sich beim Klassiker erst noch über die Distanz beweisen müssen. Hankook-Farnbacher ist schliesslich mit Farnbacher / Simonsen / Keen mit der Erfolgsmannschaft der 24 Stunden am Nürburgring hinreichend gut besetzt. Hier wird der Entwicklungsstand der exklusiv eingesetzten Hankook-Pneus eine entscheidende Rolle bezüglich der Endplatzierung spielen.
Corvette und BMW (Foto: das aktuelle Art-Car des Amerikaners Jeff Koons) debütieren wie gesagt mit ihren aktuellen GT2-Konstruktionen beim Marathon. Corvette ist unter einigen der deutschen Piloten angesichts ihrer Reglementskonformität – der Umfang der Waiver entspricht in etwa dem des sportlichen Reglements des Klassikers – umstritten. Bei BMW, die nach dem Umbau ihres Hinterwagens gegenüber der ALMS-Version mit nur noch mit drei Waivern auskommen, ist hingegen umstritten, ob die Autos bei den beiden LMS-Vorstellungen schon ihr wahres Potential aufgedeckt haben. Nach verhaltenen Zeiten in den Trainings war man in den Rennen vom Speed her sehr gut dabei und hatte jedesmal Podiumschancen. Haltbarkeit dürfte auch hier der entscheidende Faktor für die beiden Werksmannschaften sein, die den langjährigen GT2-Klassiker Porsche gegen Ferrari aufmischen wollen.
In der dritten Reihe werden die Aussenseiter von Aston Martin, Spyker und Jaguar erwartet. Der GT2-Vantage kommt mit dem bislang hochklassigsten Team (JMW Motorsport) nach Frankreich. Aber auch diese Mannschaft konnte noch kein zählbares Ergebnis einfahren. Warum sich das ausgerechnet beim materialmordenden Klassiker ändern sollte, bleibt zu beantworten. Spyker gelang immerhin im letzten Jahr die erste Zielankunft an der Sarthe. Auch bei den LMS-Läufen schlug man sich bis zum Ende durch, so dass der Wagen als hinreichend ausgereift gelten kann, um das Ergebnis des Vorjahres zu wiederholen. Das kann nach den bisherigen ALMS-Vorstellungen vom Jaguar (Bild) noch nicht behauptet werden. Der XKRS des Rocketsport-Teams ist zwar ein Publikumsliebling, doch werden die vorwiegend britischen Fans Leidensfähigkeit beweisen müssen, wenn sie zum schwarz-grün lackierten Wagen halten wollen. Eine Zielankunft - ob in Wertung oder nicht - wäre eine Sensation für den Wagen.
Pilotenseitig bietet die GT2-Klasse das grösste deutschsprachige Kontingent - 14 der Volanteure haben teutonische Sprachwurzeln: Marc Lieb, Richard Lietz, Wolf Henzler, Vater & Sohn Flbermayr, Marco Holzer, Timo Scheider und Jörg Bergmeister sind von Seiten Porsches involviert. Pierre Kaffer und Domnik Farnbacher treten auf Ferrari an. Dirk und Jörg Müller, Uwe Alzen und Dirk Werner sind schliesslich im BMW-Kontingent am Start. Somit mag sich jeder seine Akteure zum Mitfiebern am kommenden Wochenende herauspicken.