Ein Rückblick auf Toyotas LMP1-Zeit

Toyota TS030 - HybridBevor in diesem Jahr Toyota mit dem GR010 die erste Saison der Hypercars in der FIA WEC startet, möchten wir noch einen Rückblick auf die letzten 9 LMP1-Jahre der Japaner mit Standort in Köln werfen:

Die Geschichte beginnt 2012-2013: mit dem Toyota TS030 - Hybrid. mit 3,4l V8 Saugmotor, Hybrid-Antireb mit Super-Kondensatoren und reinem Heckantrieb

In die erste Saison stieg Toyota gleich mit einem Rückstand ein: Das 12 Stunden Rennen in Sebring war nie als Einsatz geplant, doch ein Unfall mit Monocoque-Schaden in Paul Ricard verhinderte einen Start bei den 6 Stunden von Spa. Daher musste der erste Renneinsatz zweier TS030 - Hybrid  beim großen 24 Stunden Rennen von Le Mans erfolgen. Die Mannschaft hat sich achtungsvoll geschlagen und lag nach 6 Rennstunden gegen die Audi R18 sogar in Führung. Doch eine Kollision von Anthony Davidson mit anschließendem Überschlag in der Luft beendete das Rennen von Nummer #8, während die #7 erst eine Kollision mit dem DeltaWing und im weiteren Rennverlauf einen Motorschaden zu verzeichnen hatte. Den Rest der Saison brachte Toyota nur ein Fahrzeug an den Start, mit dem in den verbleibenden 5 Saisonrennen aber 3 Poles und Siege in Interlagos, Fuji und Shanghai erzielt wurden. Die Ehre des ersten Pole-Setters gebührt Alexander Wurz in Interlagos, erster Sieger war neben ihm Nicolas Lapierre. Platz 2 in der Hersteller- und 3 in der Fahrerwertung für Alexander Wurz und Nicolas Lapierre waren die Ausbeute der ersten Saison.

Die zweite Saison 2013 war nicht ganz so erfolgreich: 3 Poles und zwei Rennsiege war die Ausbeute aus 8 Rennen. Der Vizemeistertitel in der Herstellerwertung und 3. in der Fahrerwertung für Anthony Davidson, Sébastien Buemi und Stéphane Sarrazin, sowie P2&4 in Le Mans standen am Ende zu Buche.

Toyota TS040 - Hybrid2014-2015: Toyota TS040 - Hybrid. 3,7l V8 Saugmotor, Hybrid-Antrieb jetzt mit Allradantrieb

Der Nachfolger TS040 - Hybrid für 2014 war ein großer Wurf - und musste das gegen die Audi R18 e-tron quattro sowie die neu in die WEC eingestiegenen Porsche 919 Hybrid auch sein: 4 Pole Position, 5 Siege und 4 schnellste Rennrunden in 8 Saisonrennen gegen die starken deutschen Hersteller konnte man am Ende derzielen. Heraus sprangen auch die Meistertitel in der Hersteller- sowie der Fahrerwertung für Anthony Davidson und Sébastien Buemi. Nicolas Lapierre hat die erste Saionhälfte an der Seite der beiden Meister absolviert, auf Bitten der Fahrer haben diese den Rest der Saison ab Fuji alleine bestritten. Aber auch in dieser starken Saison bleib ihnen der Sieg in Le Mans verwehrt: Nicolas Lapierre hat die #8 noch am Samstagnachmittag in einem Regenschauer in die Leitplanken gesetzt und so für einen großen Rückstand gesorgt, die #7 war nach langer Führungsarbeit nach etwa 14 Stunden aus dem Rennen: Die Verbindung zwischen dem FIA Data-Recorder und dem Kabelbaum ist überhitzt und hat den Kabelbaum zum schmelzen gebracht. Das Team wollte den Toyota reinrufen - doch just in dem Moment als man bei der Boxeneinfahrt war funktionierte alles wieder und man dachte, dass Problem hätte sich von selbst gelöst. Kurz darauf hat die Datenübertragung wieder gestoppt und das Team wollte die Teile wechseln, doch da war es schon zu spät und Kazuki Nakajima ist auf der Strecke stehen geblieben.

In der Saison 2015 kam das Team ins Hintertreffen und hat gemerkt, dass man an einem Turboantrieb sowie einem Batteriekapazität von 8 Megajoule nicht mehr umhin kam. Die Einführung war für 2017 geplant und wurde um ein Jahr vorgezogen. Mehr als zwei dritte Plätze waren nicht mehr drin, in der Herstellerwertung lag man hinter Porsche und Audi auf Rang 3, in der Fahrerwertung Rang 5 für Anthony Davidson und Sébastien Buemi.

Toyota TS050 - Hybrid2016 - 2020: Toyota TS050 - Hybrid. 2,4l V6 Turbo, Hybridantrieb jetzt mit Lithum-Ionen-Batteriespeicher

Die Saison 2016 lief für Toyota deutlich besser als das vorherige Jahr, auch wenn nur ein Sieg in Fuji dabei heraussprang. Um ein Haar hätte das Team den so lange ersehnten Erfolg in Le Mans feiern können: In der vorletzten Runden dachte der Autor dieser Zeilen an einen schlechten Scherz, als der mit über einer Minute in Führung liegende Kazuki Nakajima immer langsamer wurde - und schließlich auf Start & Ziel vor der eigenen Box stehen blieb, in der Hoffnung durch die geringe Entfernung zur Boxenmannschaft einen Reset durchführen zu können. Doch ein Verbindungsstück zwischen Ladeluftkühler und Turbo hat sich gelöst und zu einem Leistungsverlust geführt. Dank der anschließenden zu langsamen letzten Runde ist der Toyota noch nicht einmal in Wertung angekommen, die Teamkollegen retteten mit Position 2 wenigstens einen Podestplatz. Position 3 in der Hersteller- und P3 in der Fahrerwertung für Kamui Kobayashi, Mike Conway und Stéphane Sarrazin.

Die Saison 2017 verlief wieder erfolgreicher. Nach dem Ausstieg von Audi und in der letzten Saison von Porsche erreichten die Japaner 4 Poles und 5 Siege in 9 Saisonrennen. Die Pole-Runde von Kamui Kobayashi in 3:14,791 min in Le Mans wird noch vielen in Erinnerung bleiben und wohl in der nächsten Zeit erst einmal nicht mehr zu schlagen sein. Im Rennen war man nach der Generalprobe in Spa erstmals mit 3 Fahrzeugen vertreten, doch das Glück war Ihnen wieder einmal nicht hold: An der #8 musste nach einem Zulieferer-Fehler (nicht korrekt befestigte Schraube) die Hybrideinheit ersetzt werden. Die #9 erlitt einen Getriebeschaden nach einer Berührung mit einem LMP2. Und die #7? Nach dem "Fake-Marschal-Accident" sorgte hier ein Kupplungsschaden für den Ausfall. Kamui Kobayashi wurde an der roten Boxenampel stehend aufgefordert auf die Strecke hinauszufahren - aber nicht von einem Marschall, sondern von einem Mitglied eines anderen Teams. Das mehrmailge Anfahren hat die Kupplung gekillt. Trotz mehr Siegen verlor Toyota die Titel an Porsche, Rang 2 in der Hersteller- und Rang 2 in der Fahrerwertung für Kazuki Nakajima und Sébastien Buemi.

Toyota TS050 - Hybrid erster Le Mans-SiegIn der "Super-Season" 2018-2019 hatte Toyota nur Privatteams wie Rebellion Racing oder SMP Racing als Gegenspieler. Wie zu erwarten hatte das einzige Werksteam im LMP1-Feld leichtes Spiel mit den Privaten. 8 Pole Positions und 7 Siege in 8 Saisonrennen waren die Ausbeute. Rang 1 in der Teamwertung sowie der Meistertitel für Kazuki Nakajima, Sébastien Bumei und Fernando Alonso waren die logische Konsequenz. Mangels Konkurrenz, aber auch dank der immer weiter perfektionierten Arbeitsweise konnte man auch erstmals die 24 Stunden von Le Mans gewinnen. In die "Super-Season" fand Le Mans gleich zwei Mal statt, beide Siege gingen an Nakajima, Buemi und Alonso. Der F1-Star konnte trotz mangelnder Konkurrenz Fans an die Strecke ziehen.

Die Saison 2019-2020 (die vorerst letzte über einen Jahreswechsel) sorgte für fast die gleiche Ausbeute: 6 Siege in 8 Rennen. Doch "nur" 4 Pole Positions und 3 schnellste Rennrunden zeigen, wie sehr die Veranstalter versuchten Toyota einzubremsen und mehr Spannung ins Feld zu bringen. Das ist grundsätzlich auch gelungen, doch gegen das Werksteam konnte die Konkurrenz sich am Ende doch nicht durchsetzen: Rang 1 in der Team- und 1 in der Fahrerwertung für Kamui Kobayashi, Mike Conway und Jose-Maria Lopez. Auch den Sieg in Le Mans holte sich das Toyota mit den Fahrern Sébastien Buemi, Kazuki Nakajima und Brendon Hartley.

Toyota LapierreIm Gesamten hat Toyota in den 8 WEC-Saisons 26 Pole Positions erzielt (TS030: 6, TS040: 4, TS050; 16). Kamui Kobayashi war an 10 dieser Poles beteiligt.

29 Rennsiege konnte Toyota in 64 WEC-Rennen erreichen (TS030: 6, TS040: 4, TS050: 19). Ingesamt gab es 66 WEC-Rennen seit 2012. Sébastien Buemi führt auch hier die WEC-Statistik mit 17 Siegen an. Mit 7 Siegen konnte Toyota die meisten auf der japanischen Strecke in Fuji erzielen.

24 schnellste Rennrunden gehen auf das Konto von Toyota (TS030: 4, TS040: 4, TS050: 16). 7 davon gebühren Sébastien Buemi. Man musste sich in dieser Statistik lediglich André Lotterer mit 11 schnellsten Rennrunden geschlagen geben.

Die meisten Renneinsätze gehen mit deren 59 auf das Konto von Sébastien Buemi, der seit dem ersten Renneinsatz 2012 in Le Mans bei der japanischen Truppe mit von der Partie ist. Nur die 2012er-Rennen nach Le Mans musste Buemi auslassen, bei allen anderen in der Toyota-LMP1-Zeit ist er gestartet. Es folgen Kazuki Nakajima (53), Mike Conway (45) und Anthony Davidson (41). Der nächste noch bei Toyota aktive Rennfahrer ist Kamui Kobayashi mit 34 Einsätzen.

Insgesamt hat Toyota in allen offiziellen Sessions über 45.000 Runden bzw. fast 331.000 km abgespult. Das Team kalkuliert mit weiteren 30.000 Test-km je Saison. Die Saison 2012 war mit ca. 16.000 km die "kürzeste", ansonsten lagen die Saisons bei round about 40.000 km. Die Super-Season 2018-2019 brachte über 65.000 km, also mehr als den 1,5-fachen Erdumfang.

Nicht überraschend ist der fleißigste Toyota-Pilot auch hier Sébastien Buemi: Mit 7.850 Runden bzw. über 57.000 km wird er in der WEC nur von dem ein oder anderem GTE Pro-Piloten übertroffen, die viele Rennen nur zu zweit absolvieren. Den Faktor, dass es nicht viele Fahrerwechsel gab führt Toyota als einen der Schlüssel zu Erfolg an. Die Erfahrung sei ein wichtiger Faktor bei der Fahrzeugentwicklung. Neben Buemi sind hier auch Kazuki Nakajima, Stéphane Sarrazin, Anthony Davidson und Alexander Wurz zu nennen.

Toyota GR010Ab 2021 startet Toyota mit dem Hypercar Toyota GR010. Warum Hypercar und warum WEC / Le Mans? Die offizielle Antwort fällt GT-Eins gegenüber so aus:

"Wir nehmen seit 2012 an der WEC teil, denn Langstreckenrennen eignen sich am besten zur Entwicklung von Straßenfahrzeug-relevanter Hybrid-Technologie. Jetzt mit den neuen Hypercar-Regularien sind wir auch in der Lage, zukünftige Gazoo Racing-Straßenfahrzeuge und Alltagsrelevante Technologien zu zeigen - das macht die Langstreckenrennen noch wertvoller. Wir hoffen, in Zukunft gegen weitere große Hersteller antreten zu können."

Unser Dank geht an Toyota-Pressesprecher Alastair Moffitt für die detaillierten Infos und wir wünschen Toyota weiterhin viel Glück auf der Rennstrecke!

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